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Waren wir auf dem Mond? Prof. Dr. Ulrich Walter Lehrstuhl für Raumfahrttechnik
So umwerfend dieses Argument von Aldrin auch gewesen sein mag, überzeugend war es mit Sicherheit nicht, insbesondere für all diejenigen, die der Konspirationstheorie bisher noch unentschlossen gegenüber standen, und auf ein stichhaltiges Argument für die Mondladungen warteten. Und es gibt viele dieser Leute. Es vergeht wohl kaum eine Woche, ohne dass mich auf einer Veranstaltung oder auch nur einer Vorlesung jemand auf diese Verschwörungstheorie anspricht und wissen will, was ich davon halte. Doch bevor ich meine Gedanken dazu darlege, ein kurzer Rückblick, wie es zu dieser Verschwörungstheorie kam. Der Auslöser scheint ein amerikanischer Kinofilm aus dem Jahre 1978 mit dem Titel „Capricorn 1“ gewesen zu sein. Die Story rankt sich um die erste bemannte Mission der Amerikaner zum Mars. Weil das Lebenserhaltungssystem angeblich fehlerhaft ist, aber die Zukunft der NASA vom Erfolg dieser Mission abhängt, werden vor dem Start die drei Astronauten kurzerhand aus der Kapsel entfernt und zu einem geheimen Ort gebracht. Die Mission findet ohne die Astronauten statt, und die NASA inszeniert für die Zuschauer vor den Fernsehern die Mission in einem Studio, indem sie die Astronauten unter Androhung von Repressalien unter Druck setzt, mitzumachen. Tatsächlich lässt sie im Laufe der Zeit einige Astronautenkollegen töten, weil sie die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen wollen. Ungemütlich wird es für die Studio-Astronauten, als die Kapsel bei der Rückkehr vom Mars verglüht und ihnen klar wird, dass die Öffentlichkeit erwartet, dass sie tot sind. Diese Idee, Raumflüge könnten wegen ihrer Gefährlichkeit gefaked sein, griffen einige Leute auf und übertrugen sie auf die Apollo-Missionen. Besonders aktiv darin war Bill Kaysing, ein Mitarbeiter des südkalifornischen "Rocketdyne Research Departments". Kaysing war von 1956 bis 1963 für die technischen Publikationen dieses Unternehmens verantwortlich, das Teile des Antriebs der Saturn-Rakete der NASA zulieferte. Was bis dahin nur im Stillen blühte, wurde mit einem Schlage der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt, als der amerikanische Fernsehsender "Fox TV network" am 15. Februar 2001 die Sendung "Conspiracy Theory: Did We Land on the Moon?" ausstrahlte und damit ungeahnte Beachtung fand. Kaysing erhielt neben vielen anderen Verschwörungsanhängern ausgiebig Zeit, seine Version der Apollo-Missionen darzulegen. Er behauptete, eine unternehmensinterne Machbarkeitsstudie, deren Existenz in der Sendung jedoch nicht nachgewiesen wurde, hätte gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg einer bemannten Mondmission nur 0,0017 Prozent betrug. Die Amerikaner hätten einfach noch nicht die dafür notwendigen technischen Möglichkeiten gehabt, und außerdem sei ein Flug durch die Stahlengürtel auf dem Weg zum Mond allemal tödlich für Astronauten. Auf Druck der Ansprache von Kennedy, die Amerikaner würden bis zum Ende der 60er Jahre auf dem Mond landen und im Wettlauf mit den Russen hätte die NASA die komplette Mission in einem Studio, natürlich in der sagenumwobenen Area 51, gedreht. Neben Kaysing kam auch ein gewisser Ralph Rene zu Wort. Als Ingenieur-Autodidakt hatte er sich die Bilder der Mondlandungen genau angesehen und war auf angebliche Ungereimtheiten gestoßen, die seiner Meinung nach den ganzen Schwindel der NASA aufdeckten. Auf den Videoaufnahmen wehte angeblich die amerikanische Flagge im Wind. Wind auf dem Mond? Außerdem ließen sich auf den Fotos keine Sterne auf dem schwarzen Himmel im Hintergrund erkennen, obwohl man sie schließlich sehen müsste. Hatten die Leute im Studio da etwas vergessen? In der Sendung wurden an die zehn solcher angeblichen Beweise dargestellt, und das schien viele Zuschauer zu überzeugen.
Abbildung 1: Wo sind die Sterne? So einen Zuschauerrenner lässt man sich in Deutschland natürlich nicht entgehen. In der Mitte des gleichen Jahrs 2001 strahlte Spiegel-TV die Sendung in synchronisierter Fassung aus und damit sprang der sogenannte Moon-Hoax Virus, wie er seit der Fox-Sendung genannt wird, auch bei uns über. Seither sieht man die Sendung in schöner Regelmäßigkeit einmal pro Jahr. Interessanterweise gibt es von Spiegel-online eine Umfrage im Internet, ob die Zuschauer an den Moon Hoax glauben oder nicht. Ich habe zwei Schnappschüsse dieser Befragung am 2. Juli 2002 und am 30. Juli 2004 gemacht, die hier dargestellt sind.
Das Ergebnis: Waren ein Jahr nach der ersten Ausstrahlung in Deutschland etwa 44% der Zuschauer davon überzeugt, dass die Apollo-Missionen tatsächlich stattfanden und waren nur 36% Anhänger der Verschwörungstheorie, so war es im Jahre 2004 umgekehrt: Nur 39% glaubten der NASA und immerhin 43% den Gegnern. Mehr noch, schaut man sich nur diejenigen an, die in der Zeit vom 2.7.02 bis 30.7.04 ihre Stimme abgaben, dann glaubten von ihnen nur 34% der NASA und 58% sind Anhänger der Verschwörungstheorie. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ ist, so gibt sie sicherlich einen Trend wieder, nämlich denn, dass viele Leute unsicher geworden sind und Beweise verlangen. Damit kommen wir zu der für viele Leute entscheidenden Frage: Was sind die Beweise für die Apollo-Missionen? Oder anders herum: Beweisen die Bilder von Rene nicht, dass die Amerikaner gar nicht dort waren? Der zentrale Begriff ist hier „Beweis“. Was ist ein Beweis? Ich muss an dieser Stelle etwas formal werden, weil das ganze Elend der Moon-Hoax Diskussionen genau an diesem Punkt hängt. Also, rein logisch gesehen bedeutet Beweis „Den unumstößlichen Nachweis der Übereinstimmung zwischen einer Aussage und den Tatsachen.“ Dem wird sicherlich jeder zustimmen. Leider hat die Anwendung dieser Logik auf die Apollo-Missionen einen Haken, die Tatsachen liegen nämlich nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit. Wenn ich beweisen muss, dass der Himmel blau ist, dann ist die Beweislage einfach. Ich brauche nur nach oben zum Himmel zeigen und sagen: „Da siehst du es: Blau“. Wie beweist man aber Tatsachen, die in der Vergangenheit liegen und inzwischen vergangen sind? Wirklich beweisen lassen sich nur jetzt existierende Tatsachen, indem man darauf verweist. Man kann dann versuchen, mittels einer argumentativen Kette einen Kausalzusammenhang zwischen den jetzigen Tatsachen und den vermeintlichen Tatsachen in der Vergangenheit herzustellen. Zu zeigen, dass diese Kette zweifelsfrei wahr ist, ist aber schier unmöglich. Genau das ist der Haken. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Die Bibel behauptet, die Welt sei in sieben Tagen erschaffen worden. Findige Gläubige haben versucht, das genaue Datum der Erschaffung der Welt auszurechnen, indem sie all die Jahre, die zwischen der Erschaffung der Welt und Christi Geburt, wie sie angeblich aus den Geschichten im Alten Testament folgen, zusammen zählen. Einer, der es nach eigener Aussage ganz genau machte, war der Erzbischof von Armagh in Irland, James Ussher, im Jahre 1658. Er behauptete: „Der Beginn der Zeit fiel auf den Beginn der Nacht, die dem 23. Tag des Oktobers im Jahre 4004 v.Chr. vorausging.“ Damit wüssten wir es also ganz genau, wenn es nicht diese penetranten Paläontologen gäbe (das sind die, die alten Knochen vergangener Lebewesen studieren), die der Kirche die Knochen von Dinosauriern und unseren Vorfahren präsentieren und behaupten: Diese Knochen sind weit älter als 6004 Jahre und das ist der Beweis, dass die Bibel nicht stimmen kann. Ist das ein Beweis? So natürlich nicht, denn man könnte einwänden und fragen, woher wisst ihr, dass die Knochen wirklich älter als 6004 Jahre sind? Dann würden die Paläontologen komplizierte Gründe vorbringen, wie die 14C-Methode und geologische Bestimmung, usw. Das alles könnte richtig sein. Ist es das aber ein zweifelsfreier Beweis? Nein, sagen die religiösen Fundamentalisten in den USA, denn ihr Argument lautet: Gott hat diese alten Knochen genau mit diesen Eigenschaften und genau so an den Orten angelegt, dass die Paläontologen verführt werden, anzunehmen, die Tatsachen wären so wie sie sagen. Tatsächlich existierte aber nichts vor dem 23.10. 4004 v. Chr. Man mag über dieses kirchliche Argument schmunzeln. Doch Schmunzeln ist kein Gegenbeweis. Also: Wo ist der zweifelsfreie Beweis, dass die Welt älter als 6004 Jahre ist? Nun, den gibt es nicht. Genauso wenig wie die Kirche beweisen könnte, dass die Welt nur 6004 Jahre alt ist. Bei so einem Beweis hilft auch kein Glaube. Damit sind wir zu einer wichtigen Erkenntnis gekommen, Vergangenheit lässt sich nicht zweifelsfrei beweisen. Man mag an dieser Stelle grübeln und meinen: Habe ich nicht eine klare Erinnerung an meine Hochzeit, und diese Bilder hier, beweisen sie nicht genau das? Sorry, nein, das tun sie nicht. Das angebliche Bild als Beweis für die Hochzeitsfeier ist nichts anderes als Farbpigmente in einer ganz besonderen Anordnung eingelassen in Hochglanzpapier. Unser Gedächtnis macht daraus eine Erinnerung, die uns scheinbar überzeugt. Doch Farbpigmente lassen sich von jedem beliebig auf Papier bringen und der könnte das Motiv gehabt haben, uns zu täuschen. Der Beweis hängt also an unserer Erinnerung. Aber jeder weiß, dass man sich in seiner Erinnerung täuschen kann und selbst Massenhypnosen gibt es. Außerdem: Erinnerung ist nichts anderes als eine spezielle Verknüpfung bestimmter Neuronen in unserem Gehirn. Kann eine solche Verknüpfung ein Beweis sein, dass es eine bestimmte Konstellation (Hochzeit) in der Vergangenheit gab? Natürlich nicht, denn es lassen sich viele andere Umstände vorstellen, die zu genau dieser Neuronenverknüpfung hätten führen können. Es gibt also keinen hundertprozentigen, zweifelsfreien Beweis über Tatsachen in der Vergangenheit. Das sollte uns nicht überraschen, denn die Vergangenheit existiert nicht, nirgendwo. Sie existiert nur in unserem Kopf, weshalb wir nie Reisen in die Vergangenheit werden machen können. Das einzige was existiert und beweisbar ist, ist die Gegenwart. Daher wäre es auch kein Beweis für die NASA, wenn man in Zukunft Butterfahrten zum Mond machen und sich dort die alten Mondfähren der Apollozeiten hinter einer Absperrung mit der Aufschrift „Bitte nicht anfassen!“ anschauen würde. Die Mondfähren würden dann nur in der zukünftigen Gegenwart existieren und damit nicht notwendigerweise auch in der Vergangenheit. So könnte es etwa sein, dass die NASA, um die nicht gewesenen Apollo-Flüge zu vertuschen, sie nachträglich und mit entsprechender Patina dorthin gebracht hat. Vielleicht hat die NASA aber auch eine gute Beziehung zu Außerirdischen, wie manche ja behaupten, und die NASA hat die gebeten, die alten Mondfähren heimlich dorthin zu bringen. Das klingt natürlich extrem schräg, doch darum geht es hier nicht. Es geht um den zweifelsfreien Beweis, dass Armstrong und Aldrin am 20. Juli 1969 auf dem Mond waren. Den gibt es nicht und den kann es nicht geben. Genau dies scheint die NASA geahnt zu haben. Denn im November 2002 ließ sie der Öffentlichkeit wissen, dass sie den Auftrag über €15000,- an den renommierten Raumfahrthistoriker James Oberg zurück gezogen habe, der in einem Buch beweisen sollte, dass die NASA doch Astronauten auf den Mond gebracht habe. Bedeutet das, wir können keine glaubwürdigen Aussagen über unsere Vergangenheit machen? Doch, das können wir. Dazu müssen wir aber ein wenig in den Wissenschaften stöbern. Die Wissenschaftler haben nämlich ein ähnliches, grundlegendes Problem wie die NASA: Wissenschaftliche Theorien lassen sich nicht beweisen. Sie sind nur mehr oder weniger wahrscheinlich. Trotzdem waren die Wissenschaften in den vergangenen Jahrhunderten sehr erfolgreich, die Wahrheiten in der Natur aufzuspüren. Es muss also Verfahren geben, Wahres von Falschem zu unterscheiden. Es gibt in der Tat zwei grundlegende Verfahren. Da ist zunächst das Verfahren zum Beweis von Theorien, die Verhältnisse in der Gegenwart beschreiben. Dieses Verfahren wurde von dem Philosophen Karl Popper genauestens beschrieben und basiert auf dem Prinzip der Falsifizierbarkeit von Theorien. Dies braucht uns hier aber nicht interessieren, weil es bei uns um Beweise über Verhältnisse in der Vergangenheit (Die Welt existierte oder existierte nicht vor über 6004 Jahren.) anhand von Verhältnissen in der Gegenwart (gefundene Knochen) geht. Das Verfahren, das man dazu anwendet, ist berühmt geworden unter dem Namen „Occams Rasiermesser“.
Abbildung 2: William Ockham, 1285-1347 Natürlich handelt es sich hier nicht um ein wirkliches Rasiermesser. Gemeint ist ein Verfahren eines Gelehrten namens Occam, das es erlaubt, Sinnvolles von Sinnlosem zu unterscheiden, sozusagen haarscharf wie mit einem Rasiermesser zu trennen. William Ockham (lateinisch Occam), 1285-1347, war ein englischer Franziskaner, der sich als scholastischer Naturphilosoph betätigte. Ihm schreibt man die Worte zu: „Eine Vielheit darf nicht gesetzt werden, ohne dass es notwendig ist“ („Pluralitas non est ponenda sine necessitate.“) und: „Dinge sollten nicht vervielfacht werden, ohne dass es notwendig ist.“ („Entia non sunt multiplicanda sine necessitate.”). Tatsächlich hat er diese Worte so nie gesagt, sondern nur etwas ähnliches. Aber darum geht es hier nicht. Das, was diese Worte ausdrücken sollen, hat der Philosoph Wittgenstein einmal so ausgedrückt: „Suche das einfachste Gesetz, das mit den Fakten harmoniert.“ Oder Einstein mit seinem unnachahmlichen Sprachwitz: „Eine Theorie sollte so einfach wie möglich sein, jedoch nicht einfacher.“ Was ist damit gemeint? Nun, es ist diejenige, selbstkonsistente Theorie über Verhältnisse in der Vergangenheit zu favorisieren, die die Fakten der Gegenwart am einfachsten erklärt. Dabei ist „einfach“ nicht so zu verstehen, dass die Theorie einfach erscheint, sondern, dass sie keine zusätzlichen Annahmen macht. Wenden wir nun dieses Rasiermesser auf das Problem des Weltalters an. Die Kirche bietet dazu eine durchaus mögliche Erklärung an, die aber von der nicht beweisbaren Annahme ausgeht, es gäbe einen Gott, der die Paläontologen hinters Licht führen will. Im Sinne Occams ist dies eine nicht notwendige, vervielfachende Annahme. Denn es gibt eine Theorie der Paläontologen, die ohne diese zusätzliche Annahme auskommt, und in diesem Sinne einfacher ist. Damit ist die Theorie der Paläontologen zu bevorzugen. Die moderne Wissenschaft geht sogar noch einen Schritt weiter. Üblicherweise gibt es zu jedem Zeitpunkt eine minimal einfache Theorie, die gegebene Verhältnisse beschreibt. Diese wollen wir den „Platzhirsch“ nennen. Diese Theorie wird im allgemeinen akzeptiert, denn der Aufwand, eine Theorie genau abzuklopfen und sicherzustellen, dass sie tatsächlich einfach und selbstkonsistent (eine sehr wichtige Eigenschaft, die wir hier nicht genauer betrachten wollen) ist, kann beträchtlich sein. Daher obliegt es einer neuen Theorie zu beweisen, dass sie noch einfacher ist und ebenso selbstkonsistent, oder dass der Platzhirsch falsch ist. Nach diesem Abstecher in die Wissenschaften können wir uns so gewappnet dem Moon Hoax zuwenden. Wir suchen die wahrscheinlichste Theorie, auf die Frage, ob Astronauten am 20. Juli 1969 auf dem Mond waren. Wir wissen, es gibt keine absolute Wahrheit, denn die Vergangenheit ist nicht mehr existent und somit unbeweisbar. Der Platzhirsch ist die Theorie „Die NASA war auf dem Mond.“ Die Theorie ist selbstkonsistent: Millionen sahen live eine Saturn-Rakete wie sie ins All abhob. Es gab am 20. Juli 1969 Funksprüche, die aus Richtung Mond kamen. Selbst die argwöhnischen Russen bezeugten das. Die Geräte, die die Astronauten auf dem Mond aufstellten (die sogenannten Apollo Lunar Surface Experiment Package (ALSEP) Stationen), sendeten bis Oktober 1977 Signale über die Mondseismik zur Erde. Selbst heute noch werden Laserstrahlen, die man zum Mond sendet, durch den Laser Ranging Retroreflector, LRRR, der von den beiden Astronauten dort aufgestellt wurde, zur Erde zurück reflektiert, was ohne so ein Gerät unmöglich wäre! Außerdem ist diese Theorie extrem einfach, sie braucht keine einzige zusätzliche, unbeweisbare Annahme.
Abbildung 3: Die ALSEP Experimente von Apollo 15. Die Zentralstation mit Sender zur Erde ist als Quader im Hintergrund zu sehen. Schauen wir uns umgekehrt die Moon-Hoax Theorie an. Sie besagt, die Saturn-Rakete habe zwar abgehoben (klar, die Behauptung, Millionen von Menschen beim Start hätten sich getäuscht, wäre sehr heftig), aber danach hätte sie nur noch die Erde umkreist und alles andere, was man im Fernsehen sah, fand in einem Fernsehstudio in der Area 51 statt. Diese Theorie mag zwar konsistent sein (was noch zu zeigen wäre), aber sie macht viele unbeweisbare Annahmen: · Es gab eine Verschwörung in der NASA und der US-Regierung, die viele Tausende Mitarbeiter umfasste, wobei das Schweigen jedes einzelnen auf Lebenszeit gewahrt sein musste. · Die drei Astronauten Roger Chaffee, Ed White und Gus Grissom, die bei einem Testversuch von Apollo 1 am 27. Januar durch eine Verbrennung qualvoll ums Leben kamen, hat die NASA absichtlich getötet, um dem Apollo-Projekt einen realistischen Touch zu geben (so jedenfalls die Anhänger der Verschwörungstheorie) · Die NASA hat mitten im kalten Krieg einige tausend russischen Raumfahrtexperten bestochen, damit die nicht die Medien über den Moon Hoax informierten, weil die Funksprüche, die sie natürlich ebenfalls abhörten, nicht wie erwartet vom Mond kamen, sondern aus der Erdumlaufbahn. · Die NASA hat auch alle Amateurfunker auf der Welt bestochen. Sie hätten ansonsten in alle Welt hinaus posaunt, dass der Funkverkehr, den sie abhörten (dies ist bei Shuttle Missionen und bei der Internationalen Raumstation noch heute ein Hobby unter Amateurfunkern), nicht vom Mond, sondern aus der Erdumlaufbahn kam. (Woher kannte die NASA eigentlich weltweit alle Amateurfunker?) · Das Mondgestein, das nach dem 20. Juli 1969 bei der NASA auftauchte, das wegen seines 3He-Gehaltes so nicht von der Erde stammen kann und sich nach allen Apollo-Missionen auf insgesamt 382 kg belief, haben vielleicht Engel vom Mond mitgebracht, oder vielleicht auch Außerirdische (so genau wollen sich die Verschwörer hier nicht äußern). Selber konnten es die Amerikaner nicht künstlich herstellen, denn sie kannten schließlich noch nicht die Zusammensetzung des Mondes. Andererseits hätten sie es wissen müssen, denn sonst hätte die Zusammensetzung nicht exakt mit den Mondproben der Russen übereingestimmt, die jene später mit unbemannten Missionen zur Erde zurück brachten. · Die NASA hat Außerirdische bestochen, damit die genau seit dem 20. Juli 1969 Laserstrahlen, die wir zum Beispiel von der Fundamentalstation Wettzell im Bayerischen Wald regelmäßig zum Mond schicken, um den genauen Abstand zwischen Erde und Mond zu bestimmen, reflektieren und wieder zur Erde zurück schicken. Möglich wäre aber auch, dass die NASA später noch eine unbemannte Mission zum Mond geschickte, nur um diese Reflektoren im nachhinein zu installieren, weil die Zahlungen an die Außerirdischen auf die Dauer zu teuer kamen. Dem Leser seien andere Annahmen hierzu freigestellt. Kein Zweifel, wegen ihrer Einfachheit ist die NASA-Theorie eindeutig zu bevorzugen. Wie steht es nun mit den angeblichen Beweisen, die zeigen, dass die Astronauten nie auf dem Mond gewesen sein konnten. Nun, gemäß des beschriebenen Verfahrens ist es nicht die Aufgabe der NASA zu beweisen, dass die angeblichen Beweise falsch sind, sondern es wäre Aufgabe der Verschwörungstheoretiker zweifelsfrei zu beweisen, dass die vorliegenden Fakten mit dem Besuch von Astronauten auf dem Mond unvereinbar sind. Die Betonung liegt hier natürlich auf dem Wort „zweifelsfrei“. Der Hinweis, auf den Fotos fehlten Sternenlichter, sind nicht nur kein Beweis, sondern sogar einfach erklärbar: Wenn ein Bild von einer strahlend hellen Mondoberfläche gemacht wird, dann müssen die Verschlusszeiten und die Blende der Kamera so klein sein, dass die Dynamik des Filmes einfach nicht ausreicht, die schwachen Sternenlichter in eine Film-Schwärzung umzusetzen. Daher kann man Sterne auf solchen Bildern nicht sehen. Obwohl es gemäß des Verfahrens nicht Aufgabe der Verfechter der NASA-Theorie ist, die Aussagen der Verschwörungstheoretiker im einzelnen zu widerlegen, haben sich einige dennoch die Mühe gemacht, genau dies zu tun. Zusammen gekommen ist eine beeindruckende Sammlung von Argumenten, die zeigen, dass die Verschwörungstheoretiker nicht gerade in Physik bewandert sind, sondern sich nur auf den ersten Anschein verlassen haben. Alle, die mehr dazu wissen wollen, seinen folgende Internet-Seiten empfohlen: liftoff.msfc.nasa.gov/news/2001/news-moonlanding.asp www.badastronomy.com/bad/tv/foxapollo.html Dazu wichtige Links zu den Apollo Missionen: www.hq.nasa.gov/alsj/frame.html
Abbildung 5: Das Landegerät von Apollo 17, beobachtet aus der Mondumlaufbahn der Apollo 17 Command-Kapsel Fassen wir zusammen. Die Annahme „Astronauten waren am 20. Juli 1969 und auch danach auf dem Mond“ ist deswegen wahrscheinlich richtig, weil sie alle gegebenen Fakten am einfachsten erklärt. Sollte es angeblich einige wenige Fakten geben, die mit dieser Annahme nicht vereinbar ist, so liegt es an den Verschwörungstheoretikern, zweifelsfrei zu beweisen, dass diese Fakten unvereinbar mit einer Landung auf dem Mond sind, ohne dabei auf phantastische Annahmen zurück zu greifen. Dies ist bisher nicht geschehen, und wir wissen, dass dies auch praktisch kaum möglich ist. Umgekehrt kann es allerdings auch keinen zweifelsfreien Beweis geben, dass Astronauten am 20. Juli 1969 auf dem Mond waren, denn jener Tag ist Vergangenheit, und Vergangenheit ist nicht existent und die damit verbundenen Verhältnisse nicht absolut zweifelsfrei beweisbar. Selbst wenn es uns schwer fällt, wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass es bis auf einige wenige tautologische Aussagen in der Logik keine absolute Sicherheit in dieser Welt gibt, so gerne wie wir uns das auch wünschen. Diese Antwort mag akademisch überspitzt erscheinen. Tatsächlich ist sie äußerst realitätsnah, denn sie gibt uns eine Handlungsanweisung an die Hand, die sich praktisch leicht umsetzen läßt: · Sei vorsichtig mit dem Rückschluß von gegenwärtigen Fakten auf Vergangenes. · Die einfachste Annahme ist wahrscheinlich die richtige. · Komplizierte Annahmen müssen ihre Verfechter beweisen. Waren die Astronauten nun also auf dem Mond? Welcher Mensch mit einigermaßen gesunden Menschenverstand hätte daran gezweifelt? Ist es aber nicht gut zu wissen, dass auch aus wissenschaftlicher Sicht die NASA über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist?
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