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Du trägst dich mit dem Gedanken, Ingenieur zu werden? OK, machen wir einen kleinen Test.

Nehmen wir an, Du bist Zuschauer in einem Fußballpokal-Endspiel. Das Spiel geht bereits in die zweite Verlängerung und es steht immer noch unentschieden. Die Regeln besagen: Welche Mannschaft jetzt das Golden Goal schießt, gewinnt. Im erbitterten Kampf um jeden Ball kommt es zum Foul im Strafraum und es gibt Elfmeter für unsere Mannschaft. Es wird spannend. Dieser Schuß entscheidet. Aber wer soll schießen? Thomas und Volker gelten als die Spieler mit den besten Nerven. Der Trainer der Mannschaft, Ignorant, diskutiert kurz mit den beiden, wer schießen soll. Thomas reklamiert dabei für sich, dass er beim Elfmeterschießen sowohl zu Hause als auch auswärts die bessere Trefferquote hat als Volker. Damit ist die Sache für Trainer Ignorant klar: Thomas soll das Golden Goal machen. Der legt sich den Ball zurecht, schießt und ... der Torwart hält! Schlimmer noch, die kurze Verwirrung der Mannschaft über die vergebene Chance nutzen die Gegner, um im direkten Gegenzug das Siegestor zu schießen.

Die Sportzeitungen anderntags lamentieren zwar über das verlorene Spiel. Aber es war halt nur Pech, so glauben sie, jeder hat sein Bestes gegeben. Wirklich jeder? Thomas der Pechvogel sicherlich, er war hochmotiviert. Aber Trainer Ignorant hat einen schweren Fehler gemacht. Er hätte Volker wählen sollen, denn der war der bessere Elfmeterschütze. Das kann nicht sein, wirst du sagen. Wenn Thomas sowohl in Heimspielen als auch in Auswärtsspielen eine bessere Trefferquote hat, dann ist er der bessere Elfmeterschütze. Aber diese Logik ist in diesem Falle falsch. Denn, wie man an der Trefferstatistik beider Spieler leicht erkennt, ist Volker insgesamt fast um die Hälfte besser als Thomas und damit der deutlich bessere Elfmeterschütze, obwohl Thomas zuhause wie auswärts die bessere Trefferquote hat.

 

Zu Hause

Auswärts

Gesamt

Thomas

1 von 1 = 100%

3 von 8 = 38%

4 von 9 = 44%

Volker

4 von 5 = 80%

1 von 3 = 33%

5 von 8 = 63%

Vielleicht reibst Du dir verwundert die Augen und glaubst, irgendwo in der Tabelle müsste ein Fehler stecken, weil nicht sein kann, dass „besser + besser = schlechter“ ist. Aber genau so ist es. An der Tabelle ist nichts gemogelt, alles hat seine Richtigkeit.

Es ging bei diesem Beispiel nicht darum, ob Du die richtige Antwort gegeben hättest. Das konntest Du gar nicht, ohne die detaillierten Zahlen zu kennen. Mit anderen Zahlen hätte durchaus die Logik „besser + besser = besser“ zutreffen können. Der entscheidende Punkt ist vielmehr, dass Dir klar wird, die Welt ist nicht immer so wie man glaubt. Die Lösungen von Problemen sehen oft ganz anders aus, als man denkt. Genau an dieser Stelle zeigen sich die Qualitäten eines Ingenieurs. Er ist bereit, das bisherige Denken auf den Kopf zu stellen, anzuzweifeln, dass bisherige Lösungen die einzig richtigen sind. Und er ist bereit auch das Undenkbare zu denken: Wie überholt man im Erdorbit ein vorausfliegendes Raumschiff? Du denkst, ordentlich Gas geben wie bei StarTrek. Absolut falsch. Im Erdorbit muss man abbremsen, um zu überholen. Warum das so ist, wirst Du bei mir in der Raumfahrttechnik-Vorlesung lernen.

Bist Du also bereit, herausfordernde Aufgaben in der Ingenieurskunst und insbesondere in der Raumfahrttechnik anzunehmen? Bereit, zusammen mit anderen hochmotivierten Kollegen Satelliten zu bauen, die ganz anders sind und mehr können als andere? Dann bist Du bei uns genau richtig. 

Ich warne Dich, es wird nicht einfach werden. Aber wenn Du gut bist und es schaffst, dann ist es der Beruf Deines Lebens!

Prof. Dr. Ulrich Walter

Lehrstuhl für Raumfahrttechnik

TU München, Garching

 
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Last Updated: 1/07/05
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